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Vom Lächeln der Engel

 

Leben ist Wandlung.

Wer aber bin ich?

Von den vielen, die ich bin, kann ich manchmal keinen finden.

Und bin ich nicht auch für jeden,

der mich ein Stück Weges begleitet,

ein anderer?

Was wissen Mitarbeiter, Lehrer, Nachbarn, Partner,

Geschwister, Mütter, Väter oder

die eigenen Kinder und Enkelkinder von mir?

Sie alle kennen nur einen Ausschnitt meiner Seele,

keiner sieht die ganze Wahrheit.

Leben ist Wandlung.

Einer aber kennt den Weg im Labyrinth des Lebens.

Einer kennt dich und mich,

wie wir wirklich sind.

Siehe, da steht dein Engel und lächelt dir zu!

 

 

Der Fingerabdruck deines Schutzengels

 

Als der Engel dich zur Welt brachte, da legte er dir seinen Zeigefinger auf den Mund und sagte: „Vergiss niemals die Erinnerung an das Paradies.“ Der Finger des Engels hat auch in deinem Gesicht seine Spur hinterlassen. Jeder Mensch hat in der Mitte über der Oberlippe eine kleine, zarte Einbuchtung. Lege deinen Finger hinein und du wirst deinen Schutzengel spüren. Mit ihm bist du im Geheimnis verbunden.

Dein Schutzengel begleitet dich durchs Leben. Da kannst du ganz gewiss sein. Doch je näher wir unseren wunderbaren Wegbegleitern kommen, desto geheimnisvoller wird alles. Viele Fragen stellen sich plötzlich ein: War es ein Zufall wann, wo und zu welcher Stunde ich geboren wurde? Steht mein Schicksal in den Sternen? Folge ich einem Karma? Hat ein Gott mein Leben vorherbestimmt? Liegt alles, was ich bin, in meinen Genen? Oder bin ich vollkommen frei in meinen Entscheidungen? Vielleicht habe ich mir sogar vor der Geburt eine passende Familie gewählt?

Im Jahre 1955 erblickte ich unter dem Sternzeichen „Löwe“ in einem „Engelkrankenhaus“ das Licht der Welt. Es war die Raphaelsklinik in Münster. Der Name Raphael bedeutet „Gott heilt“ oder auch „Arzt Gottes“. Raphael ist das Urbild aller Schutzengel. Suchte ich Jahrzehnte später die Spuren der Engel im fremden und im eigenen Lebenslauf, weil ich in der Raphaelsklinik geboren wurde? War das mein Schicksal und mein Auftrag? Ich glaube, dass jeder Mensch eine Bestimmung hat – auch du.

Es gibt Momente, da erkennst du das wunderbare Webmuster deines Lebens. Du siehst den roten Faden und blickst plötzlich durch. Staunen ergreift dich, Verwunderung und Dankbarkeit. Jetzt weißt du: Ich gehe meinen Weg nicht allein. Ich habe einen unsichtbaren Freund, einen, der mich kennt und mir von Anfang an zur Seite steht. Es ist mein Schutzengel. Er hat „Ja“ zu mir gesagt:

 

Ja, du bist gewollt,

du bist geliebt,

du bist wichtig.

Keiner ist so wie du.

Auf dich kommt es an.

Du bist einmalig

wie der Augenblick deiner Geburt.

 

 

So geheimnisvoll wie die Geburt ist auch die Liebe. Wenn wir über die Liebe nachdenken, dann tauchen viele Fragen auf: Wählen wir uns einen Partner? Oder greifen auch hier die Schutzengel auf geheimnisvolle Weise in unser Leben ein?

Im Jahre 2002 heiratete mein Bruder Volker. Vor der Hochzeit lernten sich beide Eltern des Brautpaares kennen. Als meine Mutter Tinas Vater sah, erkannte sie in ihm sofort den Arzt aus dem „Engelkrankenhaus“ wieder, der sie vor Jahrzehnten entbunden hatte. Das kann kein Zufall sein.

Niemand muss an Schutzengel glauben. Sie sind einfach da. Wir spüren doch ihre Gegenwart: Da ist plötzlich jemand zur rechten Zeit an der richtigen Stelle und hilft uns. Lange haben wir uns mit einer Entscheidung gequält und plötzlich ist alles ganz einfach. Der Knoten ist geplatzt. Wir blicken durch. Immer wieder haben wir geübt, und plötzlich können wir es. Es funktioniert, wir kommen voran. Wenn der Schutzengel kommt, dann wird alles ganz leicht. Wir spüren seine Liebe, ein Licht geht in uns auf, wir können wieder Lachen und Loslassen. Schutzengel sind Lebensenergie. In ihnen ist alles gegenwärtig, was wir zum Leben und Lieben brauchen.

 

 

Spuren

 

In jedem Leben

hat der Schutzengel Spuren hinterlassen:

Die Treppe hinabgestürzt,

mit dem Fahrrad gegen ein Auto gefahren,

ein Geldstück verschluckt,

zu viele Pflaumen gegessen –

der Schutzengel hat dich getragen,

mit seinen Flügeln hat er den Aufprall gedämpft,

er gab dir Sauerkraut zu essen,

er legte seine Hände sanft auf deinen Bauch:

Erinnerst du dich jetzt?

 

 

Kindergarten Sankt Ida

 

Aus dem Kindergarten wurden wir zur Mittagszeit mit einem Schutzengelgebet entlassen:

Lieber Gott,

einen Engel sende,

der mit uns nach Hause geht.

Bei jedem Schritt, bei jedem Tritt,

geh du, mein guter Engel, mit!

 

Zuerst waren es nur Worte, die wir nachplapperten. Doch schon bald wurden sie zur bewussten Erfahrung. Denn der Weg nach Hause war voller Gefahren. Welch ein Segen, dass der Schutzengel nicht von unserer Seite wich! Unter seinen Flügeln geborgen, erlebten wir Wunder über Wunder:

 

Hinter dem Gartenzaun legten wir ein Geheimnis aus Blütenblättern.

Der Schutzengel hütete es.

Aus dem Teich fischten wir eine Hummel.

Der Schutzengel hauchte ihr neues Leben ein.

Wir pflückten rote Äpfel aus fremdem Garten.

Der Schutzengel lenkte die Nachbarin durch ein Gespräch über den Gartenzaun ab.

Auf dem Weg hinter Brockes Haus saß ein gefährlicher Schäferhund.

Der Schutzengel hielt ihm die Schnauze zu.

 

Bei jedem Schritt, bei jedem Tritt,

ging der gute Engel mit.

 

 

Gebet eines Schutzengels für seinen Menschen:

 

Oh, mögest du nie das kindliche Staunen vergessen,

das einst deine Seele erfüllte.

Das Staunen über die kleinen Wunder des Alltags:

Die Ameisenstraße in deinem Zimmer und

den gelb-schwarzen Feuersalamander im feuchten Wald,

den Regenbogen am Himmel und

die Eisblumen am Fenster,

die Winterlinge und Schneeglöckchen im Schnee

und die Schmetterlinge auf den violetten Dolden des Sommerflieders.

Mögest du nie das kindliche Staunen verlernen,

das noch immer deine Seele erfüllen will.

 

 

Dein Schutzengel

 

Du bist gestürzt: Wie oft hat dein Schutzengel dir das Knie verbunden!

Du hattest hohes Fieber: Wie viele Stunden saß dein Schutzengel an deinem Bett und hat dir ein kaltes Tuch auf die Stirn gelegt!

Du lagst wach: Dein Schutzengel sang dich in den Schlaf!

Du hast Glanzbilder gesammelt: Dein Schutzengel half dir beim Tausch!

Oh, mögen wir niemals die kleinen Momente des Glücks

und zärtlichen Gesten der Liebe vergessen.

In ihnen war der Himmel gegenwärtig.

Mögen sie uns in den dunklen Stunden des Lebens

mit Dankbarkeit erfüllen!

 

Der Schutzengel hütet deine Erinnerung,

er bewahrt den Schatz deines Lebens vor dem Vergessen.

Alle heiligen Momente sind in ihm versammelt.

Er hält dein Leben zusammen.

Er ist der Hüter der inneren Welt,

aus der du nicht vertrieben werden kannst.

Er schützt das geheimnisvolle Königreich deines Herzens.

Er ist es auch, der die Stimme in dir erhebt und sagt:

Vergiss nicht das Geheimnis deiner Herkunft.

Vergiss niemals: Du bist nicht nur von dieser Welt.

 

 

Der Ruf

 

Die Stimme erklingt.

Woher kommt der Ruf?

Wer ruft?

Du selbst bist es nicht.

Der Ruf kommt von ganz unten

aus jener Tiefe deines Wesens,

die dir selbst Geheimnis ist.

Du erkennst sie an deiner Reaktion:

Du musst ihr folgen –

auch gegen deinen Willen.

 

 

Ein alter Reisesegen

 

Ich dir nach sendi

mit minen fünf fingerlin

fünfi undi fünfzic engili.

Got dich gesundi heimgesendi!