The Angels’ Comeback
A Retrospect at the Turn of the Millenium
UWE WOLFF
(quelle)
Was ist Engelforschung?
Elsa Brandström, der Engel von Sibirien.
Sie betreute deutsche Kriegsgefangene in Russland.
Janusz Korczak, der Schutzengel der Waisenkinder.
Er leitete ein jüdisches Waisenhaus in Warschau und verließ seine Kinder nicht, als die Nazis ihnen Gewalt antaten.
Mutter Teresa, der Engel von Kalkutta.
Sie kümmerte sich um die Sterbenden.
Ruth Pfau, der Engel von Karachi.
Sie betreut Leprakranke.
Sally Becker, der Engel von Mostar.
Mit ihrer Gruppe „Operation Angel“ betreute sie verletzte und kranke Kinder während des Bosnien-Krieges .
Gideon Kremer, der Engel von Grosny.
Er half den Menschen in Tschetschenien.
Lady Diana, der Engel der Herzen.
Ihrem Geist verpflichtet sind „Lady Dianas Engel“. Sie kümmern sich um gelähmte oder an Leukämie leidende Kinder.
Linda McCartney, der Engel der Tiere.
Die gelben Engel des ADAC.
Der blaue Engel des Umweltschutzes.
Die Business Angels und das Business Angels Netzwerk Deutschland.
Sie helfen jungen Unternehmern beim Berufsstart.
Die Berliner Guardian Angels.
Sie laufen in Bahnhöfen und U-Bahnen Patrouille.
Mein Freund Eckhard Lieb...
Menschen getroffen
...Ich habe Menschen getroffen, die
mit Eltern und vier Geschwistern in einer Stube
aufwuchsen, nachts, die Finger in den Ohren,
am Küchenherde lernten,
hochkamen, äußerlich schön und ladylike wie Gräfinnen –
und innerlich sanft und fleißig wie Nausikaa,
die reine Stirn der Engel trugen.
Ich habe mich oft gefragt und keine Antwort gefunden,
woher das Sanfte und das Gute kommt...
(Gottfried Benn)
Aus dem himmlischen Wörterbuch
Die Engelforschung oder Angelologie ist Teil der Dogmatik. Ihr Gegenstand ist die Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen und der Lobpreis der Schöpfung. Wie jede theologische Forschung ist auch die Engelforschung eine hermeneutische Disziplin. Dabei nimmt sie Partei für die Schöpfung. Sie ist vom Geist der Seraphim entflammt und will dieses Feuer auch in den Menschen entfachen. Engelforschung arbeitet interdisziplinär und interreligiös. Mit spirituellem Spürsinn sucht sie die Spuren der Engel in den heiligen Texten der Menschheit, in Anthropologie, Philosophie, Liturgie, Hymnologie, in Kunst, Musik, Dichtung und vor allen Dingen in Biographien. Engelforschung ist als Biographieforschung der Methode der Phänomenologie verpflichtet. Sie sucht Spuren Gottes im menschlichen Lebenslauf.
Zu den großen Engelforschern gehören Dionysios von Areopagita und Hildegard von Bingen, der Dominikaner Thomas von Aquin und der Franziskaner Bonaventura. Thomas erforschte die Welt der Engel aus dem Geist der aristotelischen Philosophie und Bonaventura aus dem Geist der franziskanischen Mystik. Ihre höchst unterschiedlichen Wege der Annäherung an das Reich der Engel werden heute als komplementär verstanden. Engelforschung ist multiperspektivisch, denn sie weiß, dass zu jedem Chor unterschiedliche Stimmen gehören. So beachtet sie auch esoterische Nebenströmungen zum Christentum, außerchristliche und vorchristliche Religionen.
Zur Geschichte der Engelforschung des 20. Jahrhunderts gehören der russisch-orthodoxe Theologe Serge Bulgakov, die reformierten Theologen Karl Barth und Walter Nigg, der Philosoph Hans Blumenberg, der Kunsthistoriker Theodor Klauser, die katholischen Theologen Hans Urs von Balthasar und Romano Guardini und die Konvertiten Alfons Rosenberg und Erik Peterson. Wie Johann Michl hat auch Erik Peterson mit Engelsgeduld einen systematischen Überblick über die unendliche Welt der Engelnamen und der Zuständigkeitsbereiche der Engel entworfen. Vor allen Dingen aber stellte Peterson die Vorbildfunktion der Engel für den Dienst der Kirche heraus:
„Niemals wird im Kult der Kirche der Hymnus der Engel fehlen dürfen, denn er erst gibt dem Lobpreis der Kirche jene Tiefe und Transzendenz, wie sie durch den Charakter der christlichen Offenbarung gefordert wird. (. . .) Der Lobpreis der Menschen kommt erst zum Lobpreis der Engel hinzu.“